Karrikatur Charles Darwin, Bildquelle: Wikipedia

Nach ihm war alles anders


Beim Gesprächsforum am 3.4.09 referierte Peter Stratmann über Charles Darwin.
Kaum ein wissenschaftliches Forschungsergebnis hat so heftige Kontroversen zwischen Weltanschauungsgruppen ausgelöst, ist so häufig missverstanden oder zur Rechtfertigung zweifelhafter Ideologien missbraucht worden wie Darwins Evolutionstheorie.

Der Referent machte deutlich, wie erst die Rezeption durch kirchliche, politische und viele andere Kulturgruppen diese an sich streng naturwissenschaftlichen Darstellungen zum Katalysator für fundamentalistische Debatten wurde.

Mit "Survival of the Fittest" rechtfertigten beispielsweise die Nazis ihr ausgrenzendes, rassistisches, leistungsgeprägtes Menschenbild. Nach dem Darwinschen Prinzip ist das die Evolution voran bringende Merkmal, welches sich durch Mutation bildet und sich dann im Hinblick auf Überleben und Vermehrung als Vorteil erweist, keinesfalls "Stärke", Kraft oder Leistungsfähigkeit.
Auch schwach sein, anders sein, unsichtbar sein, schön sein oder hässlich sein könnten z.B. Erscheinungsbilder sein, die einer Art Überlebensvorteile bieten. Außerdem funktioniert die Entwicklung immer nur, wenn praktisch die ganze Spezies/Population mitgenommen wird.
Ja, wissenschaftliche Experimente können zeigen, dass man überhaupt nicht nachweisen kann, welches Entwicklungsmerkmal sich bewährt und dass man keine Gesetze für evolutionäre Entfaltung aufstellen kann. Es gibt gewissermaßen keine vorher festliegenden Prinzipien für Evolution.

Auch die Kirche und andere konservative, dogmatische Weltbilder hatten schwer zu kauen. Kaum hatte sich die Kirche von Galileos markerschütternden "Und sie dreht sich doch" erholt, und die Erde war nicht mehr flacher Mittelpunkt ihrer Macht, sondern kreisrund und nur eine von vielen Kugeln im Kosmos, folgte auch schon Darwins Theorie von der Entstehung der Arten - aller Arten, auch der des Menschen – nach dem Prinzip durch Mutation mittels Selektion, und das Weltbild vom personalen Schöpfergott geriet ins Wanken.
Verdientermaßen könnte man sagen, denn das, wofür man die Bezeichnung Gott verwenden sollte, lässt sich sicherlich nicht in erstarrte, zu eng gefasste Symbole reduktionistischer Begrifflichkeit bannen.
Der Zufall also als Schöpfer der Welt – versus personaler Menschenbäcker? Aber ein Ganzes, das Mensch und Kosmos hervorbringt, sollte nicht auch dem Zufall gewachsen sein?

Das Weltbild war also völlig aus den Fugen und die leicht ironische Formel, mit der die Darwindebatte zusammengefasst wurde, lautete: "Nach ihm ist nichts mehr wie es war".
Klar, dass die Teilnehmer des Gesprächsforums (und natürlich auch das Buch WAS WIR SIND) da eine andere Erkenntnis- und Reflexionstiefe gewohnt sind. Denn natürlich ist auch nach Darwin auch noch immer alles wie es war. Denn der ganze Kosmos ist ein großes wachsendes Ding.
Womöglich war das, was Darwin wissenschaftlich formuliert hat, für tiefer erkennende und sich einfühlende Menschen auch schon 1000 Jahre zuvor zu erspüren und zu erahnen gewesen.

Doch wo kommt das Leben letztlich her? Wie vollzog sich der Übergang von ersten Riesenmolekülen zu sich selbst reproduzierenden Zellen?
Diese spannende Frage lieferte dann den Startpunkt für eine lange, höchstinteressante Diskussion, die durch weitere Einzelbeiträge bereichert wurde.
(svr)